Regenbogenflaggen? – Aber bitte nicht nur im Juni…

Aktuell ist die Regenbogenflagge überall zu sehen: Viele Firmen und Vereine lassen im Juni ihr Logo in bunten Farben erstrahlen, Modelabels werben mit Pride-Kollektionen, an einigen öffentlichen Gebäuden wird die Flagge gehisst. Das ist toll und sorgt für Sichtbarkeit für die queere Community. Zugleich ist es bei Weitem nicht ausreichend, sich nur einen Monat im Jahr zu solidarisieren. Laut Statista stiegen die erfassten queerfeindlichen Delikte im Jahre 2023 das sechste Jahr in Folge auf den Höchststand.

Für vier Wochen ein buntes Markenlogo zu nutzen, nur weil Pride-Month ist, nennt sich „Pink Washing“ und ist kein politisches Statement, sondern eine reine Marketingstrategie. Und die Versuchung ist groß dem zu widerstehen und doch zumindest einen Monat im Jahr farbenfroh aufzutreten. Kein Problem – so lange (queere) Menschenrechte auch die anderen Tage des Jahres Thema sind!

Viele Kirchenkreise nehmen an CSD-Paraden teil und setzen damit ein Zeichen – sie zeigen, dass queere Menschen in der Kirche willkommen sind, dass Kirche sich mit dem Thema beschäftigt und vielleicht auch, dass sie etwas wiedergutzumachen hat.

Pastor Quinto Ceasar erntete neben reichlich Zuspruch auch viel Kritik, nachdem er auf dem Kirchentag 2023 folgende Worte sprach: „Die Zeit ist jetzt, zu sagen: Wir sind die Letzte Generation. Jetzt ist die Zeit, zu sagen: Black lives always matter. Jetzt ist die Zeit zu sagen: Gott ist queer. Jetzt ist die Zeit, zu sagen: We leave no one to die. Jetzt ist die Zeit, zu sagen: Wir schicken ein Schiff. UND wir empfangen Menschen in sicheren Häfen. Safer spaces for all.“

Ich möchte an dieser Stelle nicht dafür argumentieren, warum G*tt queer ist, wenngleich dies aus meiner Perspektive ein Leichtes wäre. Ich möchte daran erinnern und darum bitten, dass eine queersensible Kirche nicht nur das Hissen einer Regenbogenflagge bedeutet. Sie bedeutet die kritische Reflektion von Vergangenheit und Gegenwart, die Identifikation blinder Flecken, die Sensibilisierung kirchlicher Akteur*innen und vor allem die sichtbare Haltung für (queere) Menschenrechte – allgemein und im kirchlichen Kosmos, 365/366 Tage im Jahr.

Kim König
Kirchliche Sozialraumarbeit

Ich bin Mitarbeiterin im Arbeitsbereich "Kirchliche Sozialraumarbeit". Du erreichst mich per Mail (kim.koenig@ejo.de) oder per Telefon (0151 40162704).